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Identitätsdiebstahl: Was tun, wenn jemand deine Daten missbraucht?

Leitfaden für Betroffene: fremde Bestellungen, Mahnungen oder Verträge in deinem Namen – Beweise sichern, widersprechen, Anzeige erstatten.

Geprüft am · Redaktion Cyberschutz.io

Inhalt

Kurzantwort

Wenn jemand in deinem Namen bestellt oder Verträge abschließt, musst du nicht einfach zahlen – du solltest aber aktiv reagieren: Beweise sichern, betroffene Konten absichern, Bank sowie Händler informieren, Anzeige erstatten und jeder unberechtigten Forderung schriftlich widersprechen. Ein gerichtlicher Mahnbescheid darf nie ignoriert werden.

Was ist Identitätsmissbrauch?

Kurz erklärt

Kriminelle geben sich mit deinen Daten – etwa Name, Geburtsdatum, Anschrift, Bank- oder Zugangsdaten – als du aus. Sie bestellen Waren, schließen Abos oder Verträge ab oder legen Konten bei Zahlungsdiensten an. Häufig merkst du es erst, wenn Rechnungen, Mahnungen oder Inkassoschreiben kommen.

Konto übernommen oder neues Konto angelegt?

Das ist ein wichtiger Unterschied. Wurde ein bestehendes Konto übernommen, steht das Zurückholen und Absichern dieses Kontos im Vordergrund. Wurde dagegen ein neues Konto oder ein Vertrag unter deinem Namen angelegt, hattest du nie Zugang – hier geht es darum, dem Anbieter den Missbrauch zu melden, die Forderung zu bestreiten und die Sperrung oder Löschung zu verlangen.

Typische Anzeichen

  • Bestellbestätigungen oder Pakete, die du nicht bestellt hast
  • Rechnungen oder Mahnungen von Händlern, bei denen du nicht eingekauft hast
  • Inkassoschreiben zu unbekannten Forderungen
  • Willkommens-E-Mails zu neuen Konten, die du nicht angelegt hast
  • Geänderte Passwörter, E-Mail-Adressen oder Telefonnummern in deinen Konten
  • Abbuchungen, die du nicht zuordnen kannst
  • Verträge, etwa für Mobilfunk oder Streaming, die du nie abgeschlossen hast

Schritt für Schritt

Beispiel: Du erhältst eine Mahnung über 240 Euro für einen Kauf auf Rechnung bei einem Online-Händler, bei dem du nie bestellt hast. Die Lieferadresse ist eine dir unbekannte Packstation.

  1. 01

    Beweise sichern

    Bewahre alle Schreiben, E-Mails, Umschläge und Pakete auf. Mache Screenshots von Bestellungen, Kontoauszügen und Konto-Änderungen mit Datum. Notiere, wann du was bemerkt hast. Diese Unterlagen brauchst du für Widerspruch und Anzeige.

  2. 02

    Betroffene Konten absichern

    Ändere von einem vertrauenswürdigen Gerät die Passwörter betroffener Konten – zuerst dein E-Mail-Konto, weil darüber viele andere Zugänge zurückgesetzt werden können. Melde fremde Sitzungen ab, prüfe hinterlegte E-Mail-Adressen und Telefonnummern und aktiviere eine Zwei-Faktor-Anmeldung.

  3. 03

    Bank und Zahlungsdienst informieren

    Melde unberechtigte Abbuchungen sofort deiner Bank über die bekannte Rufnummer oder die Banking-App. Bei Lastschriften und Kartenzahlungen können Rückbuchungen möglich sein. Wurde ein Konto bei einem Zahlungsdienst in deinem Namen angelegt, melde das dem Dienst direkt.

  4. 04

    Händler und Dienstleister informieren

    Schreibe jedem betroffenen Unternehmen, dass du die Bestellung oder den Vertrag nicht veranlasst hast. Verlange die Sperrung des Kontos und eine Bestätigung. Hebe Kopien deiner Schreiben auf.

  5. 05

    Anzeige erstatten

    Erstatte Anzeige bei der Polizei – vor Ort oder in vielen Bundesländern über die Onlinewache. Die Bestätigung bzw. das Aktenzeichen hilft dir gegenüber Händlern, Inkassobüros und Auskunfteien.

  6. 06

    Unberechtigten Forderungen widersprechen

    Bestreite Rechnungen, Mahnungen und Inkassoforderungen schriftlich und nachweisbar. Nenne das Aktenzeichen deiner Anzeige, sofern vorhanden. Zahle nichts, nur damit Ruhe ist. Bei einem gerichtlichen Mahnbescheid nutze das beigefügte Widerspruchsformular innerhalb der Frist; rechtliche Beratung, etwa bei einer Verbraucherzentrale, kann sinnvoll sein.

  7. 07

    Auskunfteien prüfen

    Fordere bei Auskunfteien wie der SCHUFA eine kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO an. So siehst du, ob Verträge oder negative Einträge in deinem Namen gespeichert sind. Falsche Einträge kannst du unter Hinweis auf den Identitätsmissbrauch berichtigen lassen.

  8. 08

    Weitere Konten und Verträge beobachten

    Kontrolliere in den folgenden Wochen Kontoauszüge, Post und E-Mails genauer. Prüfe, ob deine Daten in bekannten Datenlecks auftauchen, und wiederhole die Auskunft bei Bedarf nach einigen Monaten.

Checkliste

  • Schreiben, Pakete, Screenshots und eine Zeitleiste sind gesichert.
  • E-Mail-Konto und betroffene Konten haben neue Passwörter und Zwei-Faktor-Anmeldung.
  • Bank bzw. Zahlungsdienst ist informiert.
  • Jedes betroffene Unternehmen hat einen schriftlichen Widerspruch erhalten.
  • Anzeige ist erstattet, das Aktenzeichen notiert.
  • Fristen aus Mahnbescheiden sind notiert und eingehalten.
  • Datenkopien bei Auskunfteien sind angefordert.

Typische Fehler

  • Mahnungen oder Inkassoschreiben einfach liegen lassen, statt die Forderung zu bestreiten.
  • Einen gerichtlichen Mahnbescheid ignorieren – danach kann vollstreckt werden.
  • Aus Unsicherheit zahlen, obwohl du nichts bestellt hast.
  • Nur telefonisch widersprechen, ohne schriftlichen Nachweis.
  • Pakete aus fremden Bestellungen öffnen oder weitergeben, statt den Händler zu kontaktieren.

Häufige Fragen

Muss ich eine fremde Rechnung bezahlen?

Wenn du den Vertrag nicht selbst abgeschlossen hast, musst du nach Einschätzung der Verbraucherzentrale nicht zahlen – das Unternehmen muss den Vertragsschluss nachweisen. Wichtig ist, dass du die Forderung schriftlich bestreitest.

Soll ich ein Inkassoschreiben ignorieren?

Nein. Bestreite die Forderung schriftlich beim Inkassobüro und beim ursprünglichen Unternehmen und verweise auf den Identitätsmissbrauch und deine Anzeige.

Sollte ich Anzeige erstatten?

Ja, das ist in der Regel sinnvoll. Die Anzeige dokumentiert den Missbrauch und hilft dir gegenüber Unternehmen und Auskunfteien.

Wie merke ich, ob noch weitere Verträge bestehen?

Eine kostenlose Datenkopie bei Auskunfteien zeigt gespeicherte Verträge und Einträge. Achte außerdem in den nächsten Wochen besonders auf Post, E-Mails und Kontoauszüge.

Was ist, wenn ein gerichtlicher Mahnbescheid kommt?

Nicht ignorieren. Lege innerhalb der im Bescheid genannten Frist Widerspruch ein. Hier kann rechtliche Beratung sinnvoll sein.

Quellen

Geprüft am 07.10.2026.

Die Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle Rechtsberatung.